Blair Witch (2016)

final-poster

1994 verschwand Heather Donahue mit ihren Freunden im Black-Hills-Forest. Ihr Verschwinden ist bis heute ungelöst und voller unheilvoller, mysteriöser Theorien, die sich allesamt rund um die Hexe von Blair ranken. Nun, 20 Jahre später, macht sich Heathers Bruder James (James Allen McCune), zusammen mit seinen Freunden Peter (Brandon Scott), Ashley (Corbin Reid) und Lisa (Callie Hernandez), auf die Suche nach neuen Hinweisen. In der Hoffnung seine Schwester womöglich sogar lebendig zu finden, packen die vier ein anschauliches Sortiment an Kameras und anderen digitalen Helfern zusammen und machen sich auf den Weg in den Wald.

Blair Witch (2016) ist zwar nicht der erste Nachfolger des legendären „Blair Witch Project“-Klassikers aus dem Jahre 1999, dafür passt er gut in das Found-Footage-Konzept von damals. Seit Donnerstag, dem 06. Oktober kann man den 89-minütigen Horror-Thriller in den deutschen Kinos bewundern. Allen, die ihn noch nicht gesehen haben, rate ich so unvoreingenommen wie möglich zu sein und diese Kritik eventuell erst danach zu lesen. Ihr seid gewarnt.

 

**Spoiler ab hier**

Betrachtet man „Blair Witch“ objektiv, im Vergleich mit anderen Horrorfilmen dieser Tage, ist er guter Durchschnitt. Flache, lückenhafte Story, nicht nachvollziehbare Motivation der Charaktere und viel zu viele Jumpscares (was heutzutage ja leider Gang und Gäbe ist). Es gibt den einen oder anderen Moment, der begann Atmosphäre aufzubauen, es gibt interessante Ideen und Ansätze, doch verglichen mit dem 90er Jahre Kultfilm sieht sein Nachfolger wirklich außerordentlich blass aus.  Aus diesem Grund schiebe ich „Blair Witch Project“ bei Seite und reflektiere für euch nur das, was mir die Kinoleinwand eröffnete.

Ehrlich gesagt, finde ich die Idee, dass James auf der Suche nach seiner Schwester in den Black-Hills-Forest reist, sehr spannend und gut gewählt. Jedoch gefällt es mir nicht, wie dieses Szenario gelöst wurde. Heathers Bruder sieht aus, als wäre er gerade einmal 23 Jahre alt. Das würde bedeuten, dass er bei ihrem Verschwinden 3 Jahre alt war. Was wiederum bedeuten würde, er hat absolut keinerlei Bezug zu dieser Frau. Im Film wird der Eindruck vermittelt, die beiden wären ein Herz und eine Seele gewesen und nun fehlt sie ihm. Ein Verbesserungsvorschlag meinerseits wäre, ihn älter zu machen. Hätte er mit, sagen wir mal, 15 Jahren seine Schwester verloren, gäbe es eine größere Intension nach ihr zu suchen. Aber sehen wir einmal über diesen Aspekt hinweg.

Die anfängliche Einleitung befand ich als etwas verwirrend und teilweise überflüssig. Sie diente mehr als Lückenfüller, um die Länge des Films zu strecken. Der Beziehungsstatus der Charaktere zueinander, sowie die Motivation der Freunde James bei dieser Expedition beizustehen, blieb unklar.

 

_DSC0144.ARW

Lane (Wes Robinson) und Talia (Valorie Curry). Photo Credit: Chris Helcermanas-Benge

 

Als die Gruppe gezwungenermaßen das ortsansässige Paar Lane (Wes Robinson) und Talia (Valorie Curry) in die Exkursion miteinbeziehen musste, wurde schnell klar, dass es einen bestimmten Grund für diese Zusammenführung gibt. Statt eines durchtriebenen Plans mit überraschendem Hintergrund, folgte leider nur eine plumpe Aufklärung, die das Fortschicken des Pärchens zur Folge hatte.

Ab diesem Zeitpunkt überkam mich das Gefühl, eine Variante von „Grave Encounters“ im Wald anzusehen. Die Protagonisten liefen im Kreis (gut, das lasse ich mir noch eingehen), doch augenscheinlich schien sich der Wald zu drehen, die Sonne ging nicht mehr auf, obwohl es, laut Uhrzeit, hätte helllichter Tag sein müssen und die Kreaturen, die kurz aufblitzten, sahen aus, wie ein Abklatsch, eine eins-zu-eins-Kopie der „Grave Encounters„-Monster.

Wie bereits erwähnt, gibt es auch Positives über „Blair Witch“ zu berichten. Die ruhigeren Passagen waren atmosphärisch gut, leider zu kurz. Zu oft wurden sie durch sinnlose, unnötige Jumpscares unterbrochen, die daraus bestanden, dass einer der Charaktere plötzlich auftauchte. Einige ideenreiche Ansätze schienen verheißungsvoll, interessant, man wollte mehr darüber erfahren. Leider, leider, leider wurden sie einfach so stehen gelassen. Immerhin wurde das Rätsel des „An die Wand Stehens“ gelöst. Unklar ist jedoch, woher die Beteiligten davon wussten.

 

Fazit: Bei „Blair Witch“ handelt es sich um einen sehr Action-lastigen Horror-Thriller. Er ist laut, es wird viel und oft geschrien und die Geschehnisse überschlagen sich im rasanten Tempo. Kurz gesagt: eine moderne, schnelllebige Erzählung, ohne großartige Tiefe und fehlender Würze. Aufgrund guter Ansätze, guter schauspielerischer Leistung (außer Wes Robinson, der es leider nicht raus hat) und witziger Easter Eggs für alle aufmerksamen Zuschauer, gebe ich dem Film 5 von 10 Sternen. Es ist nicht verkehrt ihn sich anzusehen, ein Mal reicht lediglich.

 

(5/10)

(Rechte für Grafiken liegen bei Lionsgate https://www.lionsgate.com/)

 

Schreibe uns deine Meinung!

Kommentare